Blick auf die zwei Forschungsanlagen und das Mast-Array im Forschungspark WiValdi. © DLR
Blick auf die zwei For­schungs­an­la­gen und das Mast-​Array im For­schungs­park Wi­Val­di.

Wind­ener­gie
For­schungs­park Wi­Val­di lie­fert Ant­wor­ten für die Wind­ener­gie

15.08.2023 | Ak­tua­li­siert am: 22.11.2024

Ihre Ro­tor­blät­ter rei­chen zwar bis in 150 Meter Höhe, aber eine steht im Wind­schat­ten der an­de­ren: Wie der ef­fi­zi­en­te Be­trieb meh­re­rer nah zu­sam­men­ste­hen­der Wind­ener­gie­an­la­gen in Zu­kunft aus­se­hen soll­te, kön­nen Wis­sen­schafts­teams jetzt im For­schungs­park Wi­Val­di un­ter­su­chen.

Die „welt­weit ein­zig­ar­ti­ge Basis zur ganz­heit­li­chen For­schung und Ent­wick­lung um das Thema Wind­ener­gie“ bie­tet der heute er­öff­ne­te For­schungs­parks Wind­ener­gie Krum­men­deich „Wi­Val­di“ – so lau­te­te auch das Ziel der be­an­trag­ten Pro­jekt­ar­bei­ten. Heute ist es so­weit, die Basis steht. Meh­re­re  För­der­pro­jek­te – dar­un­ter zwei große Ver­bund­pro­jek­te – unter Ko­or­di­na­ti­on des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt (DLR) haben dazu bei­getra­gen. „Wi­Val­di“ ist die Kurz­form für „Wind Va­li­da­ti­on“. Eines der Kern­an­lie­gen: Die Strö­mun­gen der Luft, die rund um die bei­den Me­ga­watt­an­la­gen des For­schungs­parks ent­ste­hen, sol­len mess­tech­nisch exakt er­fasst wer­den. Be­reits Ende Juni hat der Bun­des­mi­nis­ter für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz, Ro­bert Ha­beck, den For­schungs­park di­rekt an der El­be­mün­dung be­sucht. Nun kön­nen die Ar­bei­ten an der Groß­for­schungs­an­la­ge be­gin­nen.

Zwei hoch­mo­der­ne Wind­ener­gie­an­la­gen der Multi-​Megawattklasse des Her­stel­lers EN­ER­CON bil­den das Herz­stück des For­schungs­parks. Sie sind von den Fun­da­men­ten bis zur Spit­ze der ein­zel­nen Ro­tor­blät­ter mit hoch­wer­ti­gen Mess­sys­te­men be­stückt. Da­durch kön­nen die For­sche­rin­nen und For­scher de­tail­lier­te Daten sam­meln und Ex­pe­ri­men­te zur Be­ant­wor­tung von wich­ti­gen Zu­kunfts­fra­gen durch­füh­ren. Die Be­son­der­heit der Kon­stel­la­ti­on in­ner­halb des For­schungs­parks: Die bei­den mit der Blatt­spit­ze bis in 150 Meter Höhe rei­chen­den An­la­gen ste­hen in Haupt­wind­rich­tung  hin­ter­ein­an­der. Das be­deu­tet, dass sie sich ge­gen­sei­tig bei der Wind­aus­beu­te ver­schat­ten. Das Sze­na­rio bil­det die Zu­kunft ab, denn bei den ak­tu­ell ge­plan­ten hohen Aus­bau­zah­len von neuen Wind­ener­gie­an­la­gen und  parks wer­den die An­la­gen un­ver­meid­lich näher zu­sam­men­ste­hen und sich bei un­ter­schied­li­chen Wind­rich­tun­gen auch ver­schat­ten. Die Frage ist, wie der vor­han­de­ne Platz so ef­fi­zi­ent wie mög­lich ge­nutzt wer­den kann.

Ge­samt­dy­na­mik von Wind­ener­gie­an­la­gen wird mo­del­liert

Zwi­schen den bei­den For­schungs­an­la­gen ste­hen quer zur Haupt­wind­rich­tung drei Mess­mas­ten. Ihre ei­gens für Wi­Val­di ent­wi­ckel­te An­ord­nung der Sen­so­ren ist welt­weit ein­zig­ar­tig. Diese kön­nen die Wind­ver­hält­nis­se im For­schungs­park de­tail­liert er­fas­sen und hel­fen, die kom­ple­xe Ge­samt­dy­na­mik von Wind­ener­gie­an­la­gen bes­ser zu mo­del­lie­ren. Aus­sa­gen zur Schall­ent­wick­lung kön­nen die Wis­sen­schafts­teams an­hand ver­schie­de­ner Akus­tik­mess­ge­rä­te eben­falls tref­fen – dies ist ins­be­son­de­re re­le­vant, um Fra­gen zur Ak­zep­tanz in der Be­völ­ke­rung zu be­ant­wor­ten. Auch die Wech­sel­wir­kun­gen mit dem Strom­netz sind ein maß­geb­li­ches For­schungs­the­ma.

Be­nö­tig­te For­schungs­ar­chi­tek­tur in För­der­pro­jek­ten er­ar­bei­tet

Der fer­tig­ge­stell­te For­schungs­park ist das Er­geb­nis groß an­ge­leg­ter För­der­pro­jek­te  durch den Bund und das Land Nie­der­sach­sen mit mul­ti­dis­zi­pli­nä­ren For­schungs­part­nern im Be­reich Wind­ener­gie. Ins­ge­samt hat das BMWK die Ar­bei­ten mit rund 30 Mil­lio­nen Euro ge­för­dert. Das DLR als Ko­or­di­na­tor hat im Pro­jekt „DFWind Phase 1“ ge­mein­sam mit dem Fraunhofer-​Institut für Wind­ener­gie­sys­te­me IWES sowie mit For­Wind, dem Zen­trum für Wind­ener­gie­for­schung der Uni­ver­si­tä­ten Ol­den­burg, Han­no­ver und Bre­men, die be­nö­tig­te Ar­chi­tek­tur des For­schungs­parks in­klu­si­ve der Mess­sys­te­me er­ar­bei­tet. Im Pro­jekt „DFWind Phase 2“ ist neben dem DLR und For­Wind auch En­er­con als Her­stel­ler der For­schungs­an­la­gen als wei­te­rer Pro­jekt­part­ner in­vol­viert. Ziel war nun die for­schungs­tech­ni­sche Er­tüch­ti­gung der Wind­ener­gie­an­la­gen wäh­rend des Auf­baus des For­schungs­parks.

In­ner­halb eines wei­te­ren Pro­jekts „OPUS 3“ ar­bei­tet das DLR zu­sätz­lich an der Kon­struk­ti­on und der Er­rich­tung einer mo­du­lar auf­ge­bau­ten ex­pe­ri­men­tel­len Wind­ener­gie­an­la­ge für den For­schungs­park. Mit die­ser wird es unter an­de­rem mög­lich sein, die Aus­wir­kung von Mo­di­fi­ka­tio­nen an einer Wind­ener­gie­an­la­ge zu un­ter­su­chen.

Lehre, Grund­la­gen­for­schung und An­wen­dungs­for­schung in­ter­dis­zi­pli­när ver­netzt

Zu­künf­tig kön­nen Wis­sen­schafts­teams im For­schungs­park Wi­Val­di grund­le­gen­de For­schungs­fra­gen un­ter­su­chen. Auch vor­wett­be­werb­li­che Kon­zep­te kön­nen hier er­forscht, ent­wi­ckelt und er­probt wer­den, die für die In­dus­trie auf­grund des wirt­schaft­li­chen Ri­si­kos nicht al­lein um­zu­set­zen wären. Pro­jekt­teams kön­nen Mo­del­le und Me­tho­den in in­ter­dis­zi­pli­nä­rer Zu­sam­men­ar­beit wei­ter­ent­wi­ckeln oder ganz neu auf­stel­len. Die Ver­net­zung und der Trans­fer zwi­schen Lehre, Grundlagen-​ sowie An­wen­dungs­for­schung auf na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler Ebene sind wei­te­re Plus­punk­te der neuen Groß­for­schungs­an­la­ge im Nor­den Deutsch­lands. (mb)