Geothermie-Ausbau in der Ostsee-Region

Es besteht großes Potenzial für den verstärkten Einsatz von Geothermie in den Anrainerstaaten der Ostsee – so das Bild, das sich während des Baltic Sea Symposiums im Vorfeld der Messe GeoTHERM abzeichnete. Insgesamt acht Länder, darunter auch Deutschland selbst, präsentierten den aktuellen Einsatz von Geothermie in ihrer Heimat und zeigten dem internationalen Publikum die jeweiligen Perspektiven für einen weiteren Ausbau auf.

Lange Winter mit kalten Temperaturen sorgen in vielen der an der Ostsee gelegenen Länder dafür, dass insbesondere der Wärmebedarf höher ist als in anderen Regionen der Welt. In Dänemark zum Beispiel existieren hervorragende Ausbaubedingungen: Bereits jetzt werden 64 Prozent der dänischen Haushalte über Fernwärme versorgt. Wärme aus Geothermie könnte über die existierenden Netze verteilt werden. Aktuell bringt zudem eine neue Energievereinbarung aus Juni 2018 Bewegung in den Markt. Diese sieht weniger Regulierungen für kleine Anlagen vor, der private Sektor kommt dadurch zunehmend zum Tragen. Eine Chance für den weiteren kostengünstigen Ausbau, so Lene Fenger Clausen von der Danish Energy Agency: „Es sind noch Flächen verfügbar“. Auch Polen verfügt über rund 500 Fernwärmenetze, das sind gut zehn Prozent aller Fernwärmenetze Europas. Getestet wird aktuell in rund zehn durch den Staat unterstützten Forschungsbohrungen, wie Geothermie in die bestehenden Fernwärmenetze integriert werden kann. „Wir sehen bei uns eine vergleichbare Situation wie in den anderen Staaten des Baltikums“, so Prof. Dr. Beata Kępińska von der Polish Geothermal Society, „wir haben Bedarf an Heizwärme, wir möchten eine verbesserte Lebensqualität, wir zielen auf ökologische Effekte und erhalten zugleich grüne Arbeitsplätze.“

Thor Erik Musæus von Rock Energy AS aus Oslo stellte für Norwegen ein Projekt am Flughafen von Oslo vor, bei dem seit Oktober 2018 erfolgreich der Boden durch Erdwärme enteist wird. Hierfür werden zwei 1.500 Meter tiefe Bohrungen genutzt. Das Fazit der Betreiber nach Musæus: „Es lohnt sich auch in Norwegen, auf tiefe Geothermie zu setzen. Statt mehreren 200 Meter tiefen Bohrungen lassen sich auch wenige tiefe nutzen.“ Generell liegt in Norwegen ein hohes Ausbaupotenzial für den Nutzen von Erdwärme vor – bisher werden noch 60 Prozent der dort produzierten Elektrizität zum Heizen genutzt. Auf größere Tiefen setzt auch Finnland. Hier ist eine Anlage zur Fernwärmeversorgung der Stadt Tampere geplant, die durch eine Bohrung mit einer Tiefe von 7 bis 8 Kilometern gespeist werden soll. „Wenn die Ergebnisse des ersten Projekts vielversprechend sind, wird erwartet, dass diese Technologie in weiten Teilen Finnlands übernommen wird“, schätzt Tero Saano des verantwortlichen Unternehmens St1 Deep Heat Oy die Lage ein.

Zahl der Anlagen steigt

Litauen und Schweden setzen auf oberflächennahe Geothermie, ebenfalls erfolgreich: Die Zahl entsprechender Anlagen in Litauen wuchs von 186 im Jahr 2014 auf nunmehr 9.532 im Jahr 2018 an. Auch Schweden registrierte eine wachsende Zahl an Bohrungen um die 200 Meter Tiefe. Russland hingegen bietet allein durch seine Fläche verschiedene Optionen: So sind in Kamchatka, einer Halbinsel im äußeren Osten Russlands, mehrere Kraftwerke zur Stromproduktion aus tiefer Geothermie installiert: „Für die Region bedeutend, für Russland insgesamt mit einem Beitrag von 0,01 Prozent zur Stromversorgung vernachlässigbar“, so Victor Gornov von Insolar-Invest. In der Gänze gesehen spielt auch hier die Wärmeversorgung durch Geothermie die wichtigste Rolle.

Auch Prof. Dr. Inga Moeck, Leiterin der Sektion Geothermik und Informationssysteme des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG), die für den Bundesverband Geothermie in Deutschland Stellung nahm, setzte in ihrem Vortrag auf die anstehende Wärmewende. „Für geringere Tiefen gibt es hierzulande große Flächen, die für Geothermie genutzt werden können“, sagte Moeck.

Das Symposium wurde von der Internationalen Energie Agentur (IEA Geothermal TCP, kurz für Technology Collaboration Programme) initiiert und in Kooperation mit der Internationalen Geothermischen Vereinigung (IGA) durchgeführt. Veranstaltungen wie diese sind ein zentrales Element der Arbeit von IEA Geothermal. Wissen wird geteilt und der Ausbau vorangetrieben. Der Projektträger Jülich stellt seit 2016 den Chairman für das Geothermal TCP und hatte die Organisation des Symposiums übernommen.

Diese Webseite verwendet sogenannte Cookies zur Optimierung der Ansicht und aller Funktionen. Für die Nutzungsanalyse wird Matomo verwendet. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Wenn Sie der Nutzungsanalyse widersprechen oder mehr über Cookies erfahren möchten, klicken Sie bitte auf die Datenschutzerklärung .