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26. November 2020

Rückbau und Recycling von Offshore-Windparks

Windenergieanlagen auf See müssen nach etwa 20 bis 25 Jahren ersetzt oder zurückgebaut werden.

Offshore-Windparks tragen in Deutschland in immer größerem Umfang zur Stromproduktion bei. Auch wenn es sich um eine relativ junge Industriebranche handelt: Die Windenergieanlagen auf See gehören, genauso wie ihre Schwestern an Land, nach etwa 20 bis 25 Jahren zum „alten Eisen“. Dann müssen sie ersetzt oder zurückgebaut werden. Erfahrungswerte hierzu existieren kaum. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Forschungsvorhaben SeeOff beschäftigen sich daher umfassend mit der komplexen Fragestellung des Rückbaus.

Bei den Windenergieanlagen auf See beginnt die Herausforderung schon beim Standort. „Der Rückbau von Windenergieanlagen an Land stellt schon eine Herausforderung für die Anlagenbetreiber dar. Bei Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee kommt noch das Arbeiten auf hoher See sowie die Schiffs- und Hafenlogistik dazu“, erläutert Silke Eckardt. Die Professorin, die an der Hochschule Bremen den Masterstudiengang „Zukunftsfähige Energie- und Umweltsysteme“ leitet, ist Projektleiterin des Forschungsvorhabens „Strategieentwicklung zum effizienten Rückbau von Offshore-Windparks – SeeOff“. Zusammen mit Partnern aus der Windenergie- und Entsorgungsbranche arbeiten sie und ihr Wissenschaftsteam an den vielen Facetten des Rückbaus: von den rechtlichen Anforderungen über die Demontage- und Logistikalternativen bis hin zu den erforderlichen Recyclinganlagen am Hafen.

Rechtliche Vorgaben: von Abfallfragen über Umweltauflagen bis hin zu Zollbestimmungen

In den vergangenen Monaten wurde zunächst ein rund 60 Seiten umfassender Anforderungskatalog erstellt. Zusammengetragen wurden unter anderem die internationalen und nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen, die beim Rückbau von Windparks in der Ausschließlichen Wirtschaftszone der deutschen Nordsee beachtet werden müssen. „Dazu gehören neben hoheitsrechtlichen Fragestellungen beispielsweise abfallrechtliche Vorgaben, die Verunreinigungen der Meere verhindern, oder auch Fragen des Arbeitsschutzes der Mitarbeiter, die auf hoher See die Anlagen demontieren“, berichtet Silke Eckardt. Werden die Windenergie-anlagen an Land auseinandergebaut, greifen unter anderem Regelungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Beim Verwerten und dem Recycling der Bauteile wiederum gilt es, die Auflagen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zu erfüllen. Außerdem müssen Zoll- oder Steuerbestimmungen und weitere Anforderungen eingehalten werden.

Rückbaustrategien müssen sowohl kosten- als auch umweltfreundlich sein und eine hohe Arbeitssicherheit gewährleisten

Nach dem Erstellen des Anforderungskatalogs haben die SeeOff-Expertinnen und Experten in den vergangenen Monaten verschiedene Rückbauszenarien definiert. Mit der Analyse dieser Szenarien sollen wesentliche Fragen beantwortet werden. Hierfür wird beispielsweise untersucht, welche Schiffe für die Demontagearbeiten auf See und den Transport in die Häfen sinnvoll eingesetzt werden. Oder ob es besser ist, das Kabelnetz innerhalb des Windparks am Meeresboden zu belassen oder es ebenfalls zu entfernen. Untersucht wird auch, ob die Fundamente unterhalb des Meeresbodens in mindestens einem Meter Tiefe abgeschnitten oder vollständig entfernt werden sollen.

Fragen wie diese werden nun von den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern diskutiert und die verschiedenen Lösungsoptionen analysiert. Klar ist: Damit die Offshore Windenergie ihren Beitrag zur Transformation des Energiesystems in Deutschland leisten kann, müssen frühzeitig kosteneffiziente und umweltfreundliche Rückbaustrategien entwickelt werden. Ziel des SeeOff-Wissenschaftsteams ist daher ein Handbuch, in dem für Windparkbetreiber und andere involvierte Branchen relevante Handlungsempfehlungen enthalten sind.

 

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