20. August 2020

Windenergieanlagen blinken nachts nicht mehr

Dank dem Passiv-Radar-System PARASOL ist nun Schluss mit dem nächtlichen Dauerleuchten in Windparks.

Ab einer Höhe von 100 Metern benötigen Windenergieanlagen eine Warnbefeuerung. Diese roten Signallichter sollen niedrig fliegende Flugzeuge warnen. Allerdings belastet das nächtliche Dauerblinken Anwohnerinnen und Anwohner und steht im Verdacht, Vögel und andere Tiere anzulocken. Bis Ende Juni 2021 müssen Windparkbetreiber nun ihre Anlagen umrüsten: Sie dürfen dann nur noch blinken, wenn sich tatsächlich ein Flugzeug nähert.

Hier setzt PARASOL an: Das System nutzt bereits vorhandene Rundfunk- und TV-Signale von DVB-T2, DAB plus oder LTE, um näherkommende Flugzeuge zu erkennen. Die Idee dahinter: Das Ausschalten der störenden Beleuchtung von Windenergieanlagen soll nicht durch eine zusätzliche Radarstrahlung ersetzt werden. Die können Menschen zwar nicht sehen, sie kann aber eventuell Langzeitschäden verursachen – im Gegensatz zum jetzt entwickelten sogenannten Passiv-Radar-System. Passiv, weil es die Signale ohnehin vorhandener Systeme als Trägersignal nutzt. Darüber hinaus benötigt PARASOL keine eigene, aufwändige Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur.

 

Dem Echo lauschen

Dank dem sicheren und umweltverträglichen Warnsystem kann die Akzeptanz für Windenergie in der Bevölkerung gesteigert werden. Mit PARASOL leuchten Windenergieanlagen nur noch dann, wenn tatsächlich ein Flugzeug in der Nähe ist, das heißt sie warnen bedarfsgesteuert. Damit bleiben Windparks rund 95 Prozent der Nacht über dunkel. Das System nutzt drei Antennen mit Rechnern, die an Windenergieanlagen oder freistehenden Masten befestigt werden. Diese drei Sensoren berechnen zusammen in Echtzeit die exakte Position sich nähernder Flugobjekte. Hierfür belauscht PARASOL die vorhandenen Signalquellen und nutzt das Ausstrahlungssignal der Mobilfunk-, Rundfunk- und TV-Signale. Durch einen Vergleich mit dem Originalsignal und dem, was PARASOL tatsächlich empfängt, kann das System feststellen, ob ein Flugobjekt in der Umgebung ist. Denn das Signal wird durch die Reflexion am Rumpf des Flugobjekts so verzerrt, dass Ort und Geschwindigkeit aus dem „Echo“ ermittelt werden können. So lange sich das Flugobjekt dann innerhalb einer bestimmten Reichweite zu den Anlagen befindet, werden die Signallichter eingeschaltet.

Direkt aus der Forschung auf den Markt

PARASOL, kurz für PAssiv RAdar basierte Schaltung der Objektkennzeichnung für die Luftfahrt, wurde vom Fraunhofer Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR und dem Windenergieunternehmen Dirkshof/EED GmbH in einem vom Bund geförderten Forschungsprojekt entwickelt. Mit diesem Forschungsvorhaben hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bereits frühzeitig auf die Vorbehalte in der Bevölkerung aufgrund des nächtlichen Dauerblinkens reagiert. Die Ergebnisse aus dem Projekt konnte der Dirkshof dann erfolgreich umsetzen und auf den Markt bringen. 2018 erhielt das Unternehmen die luftverkehrsrechtliche Anerkennung für das innovative Konzept zur bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung (BNK). Daraufhin startete das Windenergieunternehmen die Serienproduktion von PARASOL, das mittlerweile auch nach ISO DIN  9001 zertifiziert ist.

Anlagen müssen auf bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung umgerüstet werden

Diese Zertifizierung ist eine der neuen Vorschriften in der Novelle der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV). Mit der Änderung der AVV hat die Bundesregierung die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung von Windenergieanlagen beschlossen. Bis Ende Juni 2021 haben Windparkbetreiber also nun Zeit, ihre Anlagen entsprechend umzustellen. Mit dem nächtlichen Dauerblinken ist dann Schluss. Dies ist ein wichtiger Schritt in dem von Bundeswirtschaftsminister Altmaier vorgelegten Aktionsplan Wind, um den Ausbau der Windenergie an Land zu beschleunigen.

PARASOL nimmt damit weiter Fahrt auf. Zunächst stattete das Unternehmen den Bürgerwindpark Reußenköge in Schleswig-Holstein mit seinem Passiv-Radar-System aus. Mit dem Windpark Wöhrden folgte im März dieses Jahres ein weiteres Projekt an Schleswig-Holsteins Westküste. Im nördlichen Schleswig-Holstein wird derzeit ein weiterer Windpark mit den eigens errichteten Antennenmasten ausgerüstet. Zudem steht ein Großprojekt in Niedersachen in den Startlöchern. Hier sollen insgesamt 52 Anlagen im Oldenburger Raum auf einer Fläche von fast 100 Quadratkilometern bedarfsgesteuert befeuert werden.

 

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